#zäm: Öl in Vorarlberg

Kaltgepresste Liaison

Partnerschaften mit regionalen Anbietern wurden im Rankweiler Hotelgasthof Mohren immer schon hoch geschätzt. Für Geschäftsführer Marcél Herburger ist es selbstverständlich, diese Tradition weiterzuführen. In schwierigen Zeiten umso mehr.

Ramona Sailer, Ölmühle Sailer Lochau © matakstudios
Ölmühle Sailer, Lochau © matakstudios
Johannes Herburger, Ramona Sailer, Ölmühle Sailer Lochau © matakstudios

„Als auf einmal alles stillgestanden ist, war das erst einmal ein Schock. Auch wir mussten unsere 26 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Es war uns jedoch wichtig, regionale Handwerksbetriebe zu unterstützen, deshalb haben wir die Zeit für größere Umbauarbeiten genützt. Und auch dafür, uns weiterzuentwickeln.“ Schon vergangenen Winter habe man darüber nachgedacht, einen Online-Shop einzurichten, fand aber nie wirklich Zeit dazu. Jetzt sei der Mohren-Shop innerhalb kürzester Zeit online gegangen, bestückt mit feinen Sachen aus Küche und Keller.

„Wenn wir Partner oder Lieferanten verlieren, verlieren wir einen Teil unserer Mohren-Familie.“

„Seit einigen Wochen bieten wir einen mittäglichen Takeaway an, den wollen wir weiterführen, auch wenn unser Restaurant wieder geöffnet hat. Außerdem haben wir uns tolle Genuss-Angebote mit Übernachtung überlegt, als kleine Auszeit speziell auch für Einheimische. Und wir pflegen weiterhin unsere Beziehungen mit regionalen Produzenten, damit jeder etwas davon hat, wie in der Vergangenheit auch.“ Es sei einfach wichtig, dass man sich gegenseitig helfe. „Wenn wir Partner oder Lieferanten verlieren, verlieren wir einen Teil unserer Mohren-Familie.“ Ganz besonders gilt dies für die Partnerschaft mit der Ölmühle Sailer in Lochau.

Vom Vorderland bis an den Bodensee

Den Bogen vom Vorderland bis an den Bodensee, vom Rankler Mohren zur Ölmühle Sailer in Lochau spannt die Liaison zwischen Marcél Herburger und Ramona Sailer-Herburger. Dass sie beide mit Sprösslingen der alteingesessenen Wirtsfamilie Herburger verheiratet sind, ist nicht das einzige, das die zwei Jungunternehmer verbindet. Beide sind klassische Quereinsteiger. Marcél stammt aus Hannover und war Ingenieur für Maschinenbau, bevor er seine Leidenschaft für die Gastronomie entdeckte. Diese führte ihn nach seiner Ausbildung als Barmanager in München an den Arlberg. Dort verliebte er sich nicht nur in seine spätere Frau Michaela, auch von der Vorarlberger Art des Gastgebens war er mehr als angetan. „Der hohe Anspruch an Qualität, das hat mir gefallen und die Gastfreundschaft, die ich auch selbst erfahren habe.“ Als zurückhaltender Norddeutscher sei er verblüfft gewesen, wie herzlich er aufgenommen worden sei. Sommelier- und Hoteliersausbildung folgten und im Herbst 2018 übernahm er mit Michaela deren elterlichen Betrieb in Rankweil. Und mit der Heirat auch den Familiennamen. „Ich wollte diese Tradition fortführen, denn der Name steht seit vielen Jahren für Qualität und Nachhaltigkeit.“ Ramona war ebenfalls quer eingestiegen, ins „Ölgeschäft“. Und auch sie knüpfte an eine, wenn auch noch junge, Familientradition an.

„Als Mama Unterstützung brauchte, war das ein willkommener Anlass, ins Ländle zurückzukehren.“

Ihre Mutter Barbara hatte vor rund zehn Jahre begonnen, Leinöl zu pressen. Daheim im Keller und zuerst nur für den Eigenbedarf. Andere Öle kamen dazu, Freunde, Nachbarn, immer mehr fragten das delikate Kaltgepresste aus dem Hause Sailer nach. Der erste Laden wurde eröffnet. Ramona arbeitete derweil als Personalberaterin in Wien, wo sie Tourismus- und Personalmanagement studiert hatte. „Als Mama Unterstützung brauchte, war das für mich ein willkommener Anlass, ins Ländle zurückzukehren.“ Ein zweites Geschäft in Wangen im Allgäu kam dazu, ebenso ein Online-Shop. Salze, Körperpflegeartikel und Erzeugnisse von regionalen Kooperationspartnern, etwa Essige oder Nudeln, ergänzen das Sortiment. Mittlerweile ist Ramona Geschäftsführerin und auch ihre drei Schwestern sind mit von der Partie.

„Das Schöne ist, dass die Ölmühle Sailer alles verwertet.“

Vor kurzem fanden die Sailer-Mädels im ehemaligen Gasthaus Messmer ihr perfektes Refugium, mit Produktionsküche, Laden und dem entzückenden Mühlencafé. Über zwanzig Ölsorten füllen die Ladenregale, vom klassischen Lein- oder Olivenöl bis hin zum Borretsch-, Leindotter- oder Mariendistel-Öl. Allesamt in Bio- und Rohkostqualität, also frisch und unter 37 Grad kaltgepresst. „Das Schöne ist, dass die Ölmühle alles verwertet.“ Das sei, so Marcel, gelebte Nachhaltigkeit. „Aus den Schwebstoffen, die sich beim Pressen absetzen, erzeugen die Sailers Muse und aus den Presslingen entstehen hochwertige Mehle, die sich hervorragend zum Backen eignen.“ Davon kann man sich im Mühlencafé überzeugen, dort nämlich zaubert Ramonas Schwester Lisa süße oder pikante Köstlichkeiten aus den mühlenfrischen Mehlen. Den Mohren in Rankweil begleite die Ölmühle Sailer durch den ganzen Tag, vom Frühstücksbuffet bis an die Abendbar. „Als Slow Food-Betrieb arbeiten wir ganz bewusst mit regionalen Anbietern zusammen, die Qualität vor Quantität setzen. Und die Ölmühle Sailer ist dafür ein Musterbeispiel.“

 

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