#zäm: Literatur in Vorarlberg

Gedrucktes Glück

Mitten in der Krise schickte Susanne Denk (Hotel Schwärzler, Bregenz) ein Zitat von Heinrich Heine an ihre Social Media-Community: „Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste.“ Bücher zu lesen mache einfach froh, weiß die Hoteldirektorin, gerade in Zeiten wie diesen.

Lesung Literatursalon, Hotel Schwärzler Bregenz © matakstudios
Hotel Schwärzler Bregenz © matakstudios
Susanne Denk, Hubert Dragaschnigg © matakstudios

Neben ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Lesen, habe sie die letzten Wochen auch genützt, erzählt Suanne Denk, um Kontakte zu pflegen und mit vielen Stammgästen zu telefonieren. „Es war schön, sich auszutauschen, jeder hat sein ,Gschichtle‘ erzählt und wir haben wahnsinnig viel Solidarität von unseren Gästen erfahren.“ Außerdem habe sie die Gelegenheit beim Schopf gepackt und das Bregenzer Stadtmarketing kontaktiert, damit sich alle Hoteliers zusammensitzen und sich ehrlich austauschen. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt dafür gewesen, sich mit Themen zu beschäftigen, für die sonst keine Zeit übrig sei.

„Im Schwärzler spielen Kunst und Kultur schon seit jeher eine tragende Rolle.“

„Wir müssen uns jetzt neue Strategien überlegen, denn ohne Festspiele wird es happig diesen Sommer. Die Situation ist unsicher und ungewiss, aber wir müssen das Beste daraus machen.“ Gerade im Schwärzler spielten Kunst und Kultur schon seit jeher eine tragende Rolle. Mit den „Literaturtagen im Schwärzler“ hat sich Susanne einen Namen gemacht, gemeinsam mit Hubert Dragaschnig, Schauspieler, Autor und Gründer des Theater Kosmos – und langjähriger Stammgast an der Schwärzler-Bar.

Schwärzler´s feiner Literatursalon

In der Wintersaison lädt Susanne Denk einmal monatlich zu „Schwärzler´s feinem Literatursalon“. Dann versammelt die Hoteldirektorin Menschen um sich, die in das geschriebene Wort genauso verliebt sind wie sie. Wie viele gute Ideen ist auch diese an der Bar entstanden. Ebendort haben Susanne und Hubert die Idee geboren, die Tradition der Salongespräche wieder aufleben zu lassen. Dabei liest ein Überraschungsgast im Wechsel mit kredenzten kulinarischen Köstlichkeiten aus einem Buch, das ihn und sein Leben nachhaltig geprägt hat. Das Besondere: Erst nach dem Aperitif wird das Geheimnis gelüftet, welche Persönlichkeit mit welchem Buch durch den Abend begleiten wird; in leiser und intimer Atmosphäre, denn die Gästeschar ist auf zwanzig Teilnehmer begrenzt.

„Ein gutes Buch zu lesen, das ist für mich Luxus.“

Seit zehn Jahren ist die gebürtige Bregenzerin Geschäftsführerin im Hotel Schwärzler. Berufliche Wanderjahre führten sie, das Abschlusszeugnis des Klessheimer Tourismuskollegs in der Tasche, nach Paris und Korsika, nach Tirol und an den Arlberg. Bis sie wieder ins heimatliche Bregenz zurückkehrte. Hier kann sie, wie sie sagt, ihre persönliche Leidenschaft für Literatur mit jener fürs Gastgeben verbinden. „Ich empfinde es als großes Glück, dass ich von der Eigentümerfamilie freie Hand bekomme, meine Ideen umzusetzen und das Haus und das Angebot für die Gäste ganz nach meinen Vorstellungen zu gestalten.“ Und so finden sich Bücher, die sie mit Vorliebe auf Flohmärkten sammelt, nicht nur in der Lounge, sondern auch auf jedem Zimmer und sogar im Spa des Hotels.

„Das Schöne ist, dass nicht der kommerzielle Gedanke im Vordergrund steht.“

Besonders ins Auge sticht dabei ein Band von kleinen, schwarzweißen Büchlein, durchnummeriert von 1 bis 5. Die darin abgedruckten Texte sind das Sublimat der „Literaturtage im Schwärzler“. Ein Format, das Susanne und Hubert gemeinsam mit literatur:vorarlberg entwickelt hatten. Vorausgegangen war, man ahnt es, ein nächtlicher Plausch an der Bar. Die Literaturtage stellten in den vergangenen fünf Jahren Autoren und deren Geschichten in den Mittelpunkt. Brachten arrivierte Schriftsteller wie Michael Köhlmeier mit unbekannten Autoren aus dem deutschsprachigen Raum zusammen. „Die Autoren lasen unveröffentlichte Texte und diskutierten in der Runde, tauschten sich aus, respektvoll und wertschätzend. Es war unglaublich bereichernd, sowohl fürs Publikum als auch für die Autoren.“ Sie seien beide selbst vom Erfolg der Veranstaltung überrascht gewesen, wie gut das Publikum – Einheimische und Gäste gleichermaßen – und ebenso die Autoren „sich so geborgen in der Literatur gefühlt“ hätten. Dabei stehe in erster Linie nicht der kommerzielle Erfolg im Vordergrund. Junge Vorarlberger Autoren zu fördern und zu unterstützen, das sei ihr gemeinsames Anliegen, das ihre langjährige Partnerschaft trage. Und das tiefe Bedürfnis, das zwischen zwei Buchdeckel gedruckte Glück mit anderen zu teilen. 

 

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