In schweren Zeiten viel Kraft und Zuversicht gewonnen

#zäm

Zusammen helfen, zusammen genießen: Gerade die letzten herausfordernden Wochen haben gezeigt, wie wichtig Zusammenhalt in der Region ist. Denn eines haben Gasthäuser und Restaurants wie Dreiländerblick Dornbirn, Sterna Bangs, Gabriel‘s Cucina, Weiss in Bregenz, Mizzitant Maria Grün in Frastanz oder Pier69 in Bregenz gemeinsam: Mit kulinarischen Ideen trotzten sie der Krise und begeisterten Tausende Vorarlberger. Was sie zu berichten haben macht auch Mut für die nächste Zeit und zeigt, was #zäm möglich ist.

© Pier69
© Pier69
© Rankweiler Hof

Für kaum eine andere Branche hatten die Covid-Maßnahmen heftigere Auswirkungen als für die Tourismusbetriebe. „Doch jammern und nichts tun kam für uns nicht in Frage“, erklärt Paul Bröll vom Gasthof Dreiländerblick in Dornbirn. „Auch wenn uns sprichwörtlich der Boden unter den Füßen weggezogen wurde.“ Der Familienbetrieb am Oberfallenberg war der erste klassische Gastronomiebetrieb, der einen Lieferservice angeboten hat. „Schnitzel, Käsknöpfle, Rindsvögel, Cordon Bleu, Rindsgulasch, Bärlauchrisotto – wir wollten kochen, was unsere Gäste lieben.“ Dabei waren von den Mitarbeitern bis zur Familie alle involviert. „Auch das waren Heldinnen und Helden des Alltags, die gern übersehen werden und in dieser Zeit viele Menschen glücklich gemacht haben.“

Das Feedback der Gäste war überwältigend, die Nachfrage größer als erwartet, trotzdem gab es ein Minus von 70%. „Ich denke, wir haben durch unsere Aktion viele Kunden für die Zukunft gewonnen.“ Nun sind Betrieb und Panorama-Terrasse wieder geöffnet, dennoch verfolgt man weitere Ideen. „Neben dem ausgeweiteten Frühstücksangebot wird es auch Dinner im Zimmer geben. Ein intim-romantisches Essen mit herrlichem Blick aufs Rheintal und den Bodensee.“

„Niemals mit dieser Nachfrage gerechnet“

Ähnlich schnell hat man im Oberland reagiert. Neben Brunnenwald Göfis oder Tannenhof Meiningen hat sich auch Familie Lang vom Sterna Bangs was einfallen lassen. Schon ab 20. März gab es fertig gekochte Gerichte, die im Innenhof aus dem Kühlschrank genommen und bezahlt werden konnten, später dann auch warme Gerichte zum Abholen. Sympathische Kurzvideos auf Social Media-Kanälen begleiteten die Aktion vom zaghaften Start bis zum Muttertagsessen samt Weinbegleitung. Nachfrage und Kunden-Feedback waren unglaublich motivierend: „Wir haben niemals mit dieser Nachfrage gerechnet. Schon mit dem Bargeld im aufgestellten Briefkasten erreichten uns viele Nachrichten. Viele haben uns dann auch Fotos geschickt, wie sie das Essen zuhause genossen haben“, erklärt Michael Lang. Zur Weinbegleitung kam es durch seinen Cousin Matthias Müller (Weineinblicke Müller), der bei der Selbstabholung die feinen Tropfen direkt empfohlen und verkauft hat. Außerdem gab es beim Sterna auch Produkte von einem Feldkircher Bauer zu kaufen, mit dem man schon seit Jahren zusammenarbeite.

Pünktlich zum 15. Mai konnte der Betrieb wieder starten. „Es ist auch sehr gut angelaufen, aber wir sind gespannt auf die nächsten Wochen. Die Gruppenfeiern und Anlässe sind uns ja komplett weggebrochen, also hoffen wir nach der Grenzöffnung auf unsere Schweizer und Liechtensteiner Gäste.“ Was ihm die Krise bewusst gemacht habe, war die Lebensqualität, wenn plötzlich keine 13-Stunden-Arbeitstage zu bewältigen sind, aber auch der Zusammenhalt untereinander. Michael Lang: „Davon möchten wir etwas mitnehmen und werden in Zukunft noch mehr auf uns, unsere Familien und Mitarbeiter achten. Auch den Hofladen möchte ich für die Zukunft beibehalten.“

Kinder bestellten für ihre alleinlebenden Eltern

Großen Andrang hatte auch der Rankweiler Hof. „Wir haben Gerichte und komplette Menüs wie etwa zu Ostern zubereitet, die abgeholt werden konnten oder auch von uns geliefert worden sind“, berichtet Elvira Deschler-Vith. „Schön war, dass viele junge Erwachsenen das Essen für ihre alleinlebenden Eltern oder Verwandten bestellt und bezahlt haben und wir das Essen dann zugestellt haben.“ Außerdem kochte das Team um Roland Vith auch für die Genusspakete von „Guats vo do“: Gerichte wie Spargelsuppe oder Geschnetzeltes, die in Gläser abgefüllt und über den Regionalmarkt Vorderland an Haushalte verteilt wurden. Eine der schönsten Rückmeldungen kam von einer Mama: „Danke, dass ich nicht immer selberkochen muss, nachdem ich meine drei Kinder beim Lernen unterstütze, während mein Mann arbeitet.“

Familie Vith hat auch selbst beim Gasthaus Mohren Essen abgeholt. „Uns hat sehr gut gefallen, dass sie die Gerichte auf Porzellanteller angerichtet und in flache Kartons verpackt haben – und das ohne Pfand.“ Nun hoffe man auf gutes Wetter, damit zumindest das Gastgarten-Geschäft gut laufe. Elvira: „Als Dorfgasthaus sind wir in erster Linie für die Stammgäste aus der Umgebung da, freuen uns aber trotzdem auf denen einen oder anderen Gast aus den Nachbarländern. Leider sind alle Caterings ausgefallen. Und auch wenn das nicht mehr aufzuholen ist, hoffen wir darauf, dass für heuer noch Aufträge dazukommen.“

„Humor war in dieser Zeit dringend nötig“

Eine ähnliche Idee verfolgte auch Mizzitant-Köchin Denise Amann in ihrem Maria Grün-Restaurant in Frastanz. Neben einer Take-away-Möglichkeit für ein Mittagsmenü unter der Woche, gab es auch einen Sonntags-Lieferservice mit 3 Gängen: der Linie entsprechend in voll kompostierbarem Geschirr, dazu frisch gebackenes Brot und eine Anleitung, wie man die Gerichte finalisiert und anrichtet. „Das hat den Leuten sehr gut gefallen, sie haben sich bedankt, dass sie durch diesen Genuss fast ,normale‘ Zeiten erleben dürfen.“ Generell haben ihr die Aktionen von Vorarlberger Gastronomen in dieser Zeit gefallen. „Die Videos zum Liefer- und Abholservice von Gabriel‘s Cucina waren sehr lustig und Humor war genau das, was wir in dieser Zeit am dringendsten benötigten.“

„Unglaubliches Feedback bekommen“

Stichwort Cucina: Der umtriebige Dornbirner Gastronom Gabriel Venturiello konnte mit seinem mediterranen Angebot in den letzten Wochen viele Sympathiepunkte sammeln. „Wir haben auf die Schließung der Lokale früh mit einem Lieferservice und Take-away reagiert. Unsere Speisekarte wurde so adaptiert, dass die Gerichte auch bei längeren Lieferzeiten mit hoher Qualität bei den Kunden ankommen. Mein Team wollte unbedingt arbeiten und so sind meine Servicemitarbeiter auch alle liefern gefahren. So haben wir direkt erfahren, wie wichtig das Thema Digitalisierung ist.“ Was sich finanziell zwar nur zum Teil, aber vor allem moralisch gelohnt hat: „Wir haben unglaubliches Feedback bekommen. Unsere Stammgäste waren in dieser Zeit für uns da und haben uns mit Ihren Bestellungen unterstützt.“ Den schönsten Kommentar gab es von seinem Ex-Chef Franz Fetz vom Hirschen Schwarzenberg: „Lass dich feiern, du machst einen super Job!“

Auch vom Zusammenhalt vieler Gastronomen war er begeistert: „Beim Dreiländerblick habe ich gleich bestellt, sie dann auch später bei mir. Das Grillpaket vom BBQ hat mir gut gefallen, aber auch das rote Markthäuschen für das Angebot der Krone Dornbirn.“ Den Take-away Service wird Gabriel auf jeden Fall beibehalten, in Kürze soll es auch eine Veranstaltungsreihe geben: „Mit einem griechischen, spanischen, französischen oder türkischen Abend samt Spezialitäten möchten wir den Urlaub zu den Gästen bringen.“

„Krise hat unser Team zusammengeschweißt“

Für Urlaubsgäste ist auch das Bregenzer Pier69 seit Mitte Mai gerüstet, trotzdem war man auch während dem Gastro-Lock Down mit besonderen Ideen für die Gäste da. Stefan Köb: „Für uns als Geschäftsführer war es sicher eine der strengsten Zeiten in unserer Karriere, sowohl im Kopf als auch aktiv bei der Arbeit. Denn wir haben versucht die Kosten so gering wie möglich zu halten und dadurch die Mitarbeiter zu verschonen.“ Nach einer zweiwöchigen Pause startete das Pier-Team mit einem Lieferservice an den Wochenenden. „Parallel dazu haben wir auch eine „Pier69 BBQ Box – around the world“ kreiert. Diese Box beinhaltet eine ausgefallene Grillerei mit innovativem Touch, die dann zuhause nur noch fertig gegrillt werden muss. Die Auslieferung der BBQ Box werden wir über den Sommer beibehalten und wöchentlich im gesamten Rheintal ausliefern. Auch hier ist das Angebot sehr gut angenommen worden, sodass wir die Lieferung auf die privaten Boote ausweiten werden.“

Was die Sommer Saison betrifft sind noch viele Fragen offen. „Die Maßnahmen sind eine Sache. Aber wir betreuen auch die Schiffe der Vorarlberg Lines, hier entfallen uns bis zu 150 Veranstaltungen und natürlich auch der ganze Ausflugsverkehr bis auf weiteres. Deshalb abwarten was die Zukunft bringt, die Krise hat unser Team auf jeden Fall zusammengeschweißt.“

Immerhin gab es für ihre Gutschein-Aktion großen Zuspruch. „Diese wurde über diverse Plattformen beworben, hier haben uns die Projekte von #vorfreudekaufen, #issg´hörig sowie die Plattform #bregenzhaeltzusammen tatkräftig unterstützt“, so Stefan Köb. Ihm selbst haben die Ideen vom Restaurant Weiss sehr gut gefallen. „Sie und andere Gastronomen hatten wirklich innovative Ideen in dieser Zeit.“

Apropos Weiss: Genau als das Team um Milena Broger, Theresa Feurstein und Erik Pedersen nach den Umbauarbeiten ihr neues Lokal eröffnen wollte, setzten die Covid-Maßnahmen ein. „Wir waren voller Energie und dann kam die Vollbremsung. So kurz vor dem Ziel“, erklärt Theresa. „Wir haben dann auch mal ein paar Tage den Kopf in den Sand gesteckt, aber es war auch ganz schnell klar, wir wollen trotzdem ETWAS tun und weitermachen.“

„Danke an alle!“

Schnell entstand die Idee zur Weiss Box, die schnell zum Erfolg wurde. Ein bunt zusammengewürfeltes Paket mit hausgemachten und besonderen Köstlichkeiten aus dem Weiss. Zum Naschen, Kombinieren, selber ausprobieren, Kosten und Verschenken. Mit Anleitung und Rezepten von Milena und Erik. Theresa: „Wir haben die Boxen jede Woche in liebevoller Handarbeit zusammengestellt, verpackt und sie mit einem Lächeln bei der Selbstabholung in der Tür überreicht. Oder auch im Umkreis von 40 km ausgeliefert.“ Die Nachfrage hat dann alle Erwartungen übertroffen: „Wir waren jede Woche innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Das war wirklich wunderbar und hat uns viel Kraft und Zuversicht gegeben. Danke an alle, die uns dadurch über die schwere Zeit geholfen haben!“

Großartig war aber auch das Feedback auf die Boxen selbst, wie die Gastronomin erklärt. „Eine Person hat für uns aufgelistet, was sie alles mit den Produkten gemacht hat: Sie hat sich selbst ganz viel Freude gemacht, gekocht, genascht, es wurden Kindheitserinnerungen geweckt, sie hat einen lieben Menschen beschenkt und dann sogar noch den Blumengruß, der in der Box auch immer mit dabei war, ihrem verstorbenen Vater aufs Grab gestellt. Das war wirklich schön zu lesen. Wir haben auch ganz viele Fotos bekommen, von Geburtstagsüberraschungen, romantischen Candle-Light-Dinner an der Bregenzer Ach usw. An diese Feedbacks werden wir wohl noch lange zurückdenken.“

Nach intensivem Umbau und großen Erwarten konnte auch das Weiss mittlerweile starten. „Unser Lokal lässt es zum Glück zu, dass wir unsere Gäste sehr gut verteilen und somit den Abstand gut wahren können. Dazu haben wir noch den Gastgarten im Innenhof und wenn alles klappt, dürfen wir auch unseren Schanigarten auf der Anton-Schneider-Straße noch etwas erweitern, was uns natürlich extrem helfen würde. Unser Plan für den Sommer ist einfach: Das Beste aus der Situation machen!“

Kunden waren in dieser Zeit so genial!

Dieses Motto galt auch für das Bar-Bistro-Café Is(s)so in Bregenz. Nathalie Hofer und ihr Team haben bewiesen, dass man als verhältnismäßig kleines Lokal für Aufmerksamkeit sorgen kann. „Nach ein paar Tagen Vorbereitungszeit haben wir für unser Mittagsmenü einen Liefer- und to go-Dienst eingeführt. Anfangs noch etwas zögerlich steigerte sich die Nachfrage mit den Wochen, bis ich an vielen Tagen um einige Essen mehr verkaufte als zuvor.“ Von finanziellem Erfolg kann hier nicht die Rede sein, aber für den großen Zuspruch ist Nathalie unglaublich dankbar. „Meine Kunden waren in dieser Zeit so genial! Treue Stammgäste und auch neue Kunden reservierten teils für die ganze Woche. Oft ohne vorher zu wissen was es gibt, da der Menüplan noch nicht veröffentlicht war. Viele riefen mich nach dem Essen extra nochmal an, um sich zu bedanken und zu betonen, wie gut es geschmeckt hat. Und ganz ehrlich: Ich persönlich habe das bei einem Lieferdienst noch nie gemacht. Aber alle waren so herzlich, dass es zumindest ein bisschen einfacher war, diese schlimme Zeit zu ertragen.“