#zäm: Eis in Vorarlberg

Eisschlecken ist systemrelevant

Das dachten sich auch die Betreiber der zwei größten Eismanufakturen im Ländle, Andrew Nussbaumer (Dolce Vita, Hohenems) und Kati Rankovic (Kolibri, Wolfurt). Die beiden machten aus der Not eine Tugend und versüßten ihrer Kundschaft die Krisenzeit mit flugs eingerichteten Liefer- und Abholservices.

Dolce Vita Eis und Kolibri © matakstudios
Dolce Vita Eis und Kolibri © matakstudios
Dolce Vita Eis und Kolibri © matakstudios

Kaum hatte die Frühlingssonne Anfang März die Eisdielen aus dem Winterschlaf geweckt, mussten sie schon wieder die Läden runterlassen. „Der Shutdown war ein riesiger Schock“, erzählt Andrew Nussbaumer. Die Kühlhäuser am Hauptsitz in Hohenems waren bis unter die Decke gefüllt mit Eiswannen, bereit, um in die neue Saison zu starten. „Um nicht auf diesen Vorräten sitzenzubleiben, haben wir ganz schnell einen eigenen Lieferservice organisiert.“ Und als Branchensprecher der handwerklichen Eiserzeuger der Wirtschaftskammer Österreich habe er sich vehement dafür eingesetzt, dass Eissalons den Konditoreien gleichgesetzt werden und schnellstmöglich wieder öffnen dürfen. Mit Erfolg: Mitte April konnten die Eisdielen für den Gassenverkauf österreichweit wieder aufsperren. Darüber freuten sich natürlich auch Kati Rankovic und ihre Mitarbeiter, die alle gerade hochmotiviert in die neue Eissaison starten wollten, als sie vom Shutdown jäh ausgebremst wurden.

„Kunden haben sich gefreut, dass sie heimische Betriebe unterstützen konnten.“

„Alle meine Mitarbeiter wollten nach der Winterpause unbedingt wieder arbeiten, darum haben wir quasi aus dem Stand einen Lieferservice aufgezogen. Wir wollten alle beschäftigen, wenn auch nur in Kurzarbeit.“ Das Schöne: Sehr viele Menschen hätten sich solidarisch gezeigt. „Kunden haben sich gefreut, dass sie heimische Betriebe unterstützen konnten. Man hat gemerkt, dass es vielen wichtig ist, bewusst bei Produzenten aus dem Ländle zu kaufen.“ Das helfe auch ein bisschen über den Schmerz hinweg, dass die vier mobilen Kolibri-Eiswagen, die sonst permanent auf verschiedensten Events unterwegs sind, weiter auf ihren Einsatz warten müssen, bis Veranstaltungen wieder erlaubt sind. Kati ist berühmt für ihre spektakulären Eiskreationen, in die sie immer wieder auch Ideen und Wünsche ihrer Kunden mit einfließen lässt.

„Durch das Verwenden von frischen, regionalen Zutaten heben wir uns von industriellen Mitbewerbern ab.“

Von ihrem Hauptsitz in Wolfurt aus versorgt die gebürtige Altacherin weitere Kolibri-Filialen in Feldkirch, Frastanz, seit neuestem in Bregenz und mit einer Niederlassung in Widnau den Ostschweizer Raum. Außerdem gibt es eine Auswahl ihrer Kreationen im Bio-Kartonbecher in über 60 Vorarlberger Sparmärkten. Ob sie plane, mit dem Eishandel österreichweit zu expandieren? „Nein. Dann müssten wir große Abstriche in der Qualität machen. Wo immer möglich, verwenden wir Früchte, Beeren, Kräuter, Milch und auch Gemüse aus der Region. Da ist das Angebot automatisch limitiert.“ Der gleichen Meinung ist auch Andrew, der mit sieben Sorten „Ländle Eis-Genuss“ bei Sutterlüty vertreten ist. „Wir heben uns ja gerade durch das Verwenden von hochwertigsten, frischen Zutaten von unseren industriellen Mitbewerbern ab. Es ist uns wichtig, heimische Produzenten zu unterstützen und deshalb bleiben wir bewusst im regionalen Lieferkreislauf.“

Vorarlberger Eispioniere

Mit Fug und Recht kann man Andrew, der bekanntermaßen auch die Hohenemser Palastgastronomie betreibt, als Vorarlberger Eispionier bezeichnen. 1983 legte er mit Nussi‘s Eisdiele im Hohenemser Herrenried den Grundstein für sein Eissalon-Imperium namens „Dolce Vita“. Für den Absolventen der Hotelfachschule Villa Blanka sei immer schon klar gewesen, dass er unternehmerisch tätig sein wollte. Die Passion fürs Gefrorene habe er von seiner Großmutter, die den Eispavillion in den Bregenzer Seeanlagen aufgebaut hatte. Dort habe er als Kind viele Sommertage verbracht und Mitte der 90er-Jahre auch zwei Jahre als Betreiber gearbeitet. Heute finden sich Dolce Vita-Eisdielen im Dornbirner Messepark, in Rankweil, Vaduz, Buchs, St. Gallen und Chur. Zahlreiche Hotel- und Gastronomiebetriebe zählen ebenfalls zur Stammkundschaft. Kati kam, im Gegensatz zu Andrew, über Umwege ins Eisgeschäft. Die ausgebildete Mittelschullehrerin sei auf der Suche nach Abwechslung gewesen, als ihr zufällig zu Ohren gekommen sei, dass die Eisdiele Kolibri in Wolfurt Ausschau nach einem Nachfolger hielt.

„Jeder hat seinen eigenen Stil und jeder Stil ist gefragt.“

Und da sie immer schon sehr experimentierfreudig und offen für Neues gewesen sei, habe sie das Kolibri 2013 kurzerhand übernommen. Anfangs noch neben der Lehrtätigkeit. „Aber wir hatten so viel positive Resonanz und es machte so viel Spaß, dass es ein logischer Schritt war, mich voll und ganz auf die Eismanufaktur zu konzentrieren.“ Mitbewerb belebe, sind sich beide einig, und sporne an, dran zu bleiben und sich ständig zu verbessern. „Jeder hat seinen eigenen Stil und jeder Stil ist gefragt. Die meisten Menschen lieben Eis, ob groß oder klein.“ Verbinde doch so ziemlich jeder wunderbare Kindheitserinnerungen mit dem kugeligsüß Gefrorenen. Genießen und dem Alltag für ein Weilchen entfliehen, das kann gerade in Krisenzeiten nicht schaden. So gesehen ist Eisschlecken wirklich systemrelevant.

 

 

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