#zäm: Birdwatch in Vorarlberg

Auf die sanfte Tour

Naturschutz und Tourismus in Harmonie vereint? Und ob das geht. Umso wichtiger, nachdem nun tausende Vorarlberger die Naturschätze vor ihrer eigenen Haustür (wieder)entdecken. Doch nicht nur dabei zeigt Carmen Oberhauser (Hotel am See, Hard) den nötigen Weitblick, den es angesichts der aktuellen Umstände dringend braucht.

Carmen Oberhauser, Birds Club Birdwatching, Hard © matakstudios
Ruth Swoboda, Carmen Oberhauser, Birds Club Birdwatching, Hard © matakstudios
Ruth Swoboda, Birds Club Birdwatching, Hard © matakstudios

„Natürlich haben die Covid-Maßnahmen auch uns hart getroffen, aber wir haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen“, erklärt Carmen Oberhauser. „Wir haben die Zeit genutzt, um über Dinge nachzudenken, die im täglichen Geschäft zu kurz kommen, etwa über Strukturen oder Optimierungen. Die Krone, die zum Hotel am See dazugehört, ist schon seit 1. April wieder geöffnet, das ist für nicht-touristische Zwecke erlaubt und weil ein kontaktloser Online-Check-In möglich ist. Dort konnten wir Arbeiter, Monteure, Bauleiter oder Architekten unterbringen, die auf umliegenden Baustellen beschäftigt sind. Andererseits haben wir unsere Hotelzimmer unter dem Motto ‚Nine to Five‘ für Homeoffice angeboten, was sehr gut angenommen wurde“, so die Geschäftsführerin vom Hotel am See.

 

 

Was ich wirklich hoffe: dass sich alle wieder mehr auf Qualität besinnen.

Am 1. Juni wird das Hotel voraussichtlich wieder „normal“ aufgesperrt. „Aber nur von Montag bis Freitag, weil wir nicht mit einem großen Urlauberansturm rechnen. Immerhin bekommen wir schon einige Seminaranfragen für den Herbst, auch für 2021.“
Was Carmen Oberhauser wirklich hofft: „Dass sich nun alle verstärkt auf Qualität besinnen, guten Service schätzen und die Natur als Erholungsraum entdecken.“ Womit wir wieder beim ursprünglichen Thema Naturschutz sind. Denn mit der BirdsClub App zur Vogelbeobachtung im Rheindelta hat Carmen in Zusammenarbeit mit Partnern ein wegweisendes Beispiel für sanften Naturtourismus geschaffen. Und eine Basis für Zusammenhalt und Kooperationen – in diesem Fall mit Ruth Swoboda, der Naturwissenschaftlichen Direktorin der inatura Dornbirn.

 

 

Auf Vogelsafari im Rheindelta

Die BirdsClub App präsentiert 200 Vogelarten, bebildert, beschrieben und mit Soundfiles ausgestattet, sowie zahlreiche Routen, die zu den besten Vogelbeobachtungs-Plätzen im Rheindelta führen. Entstanden ist die Idee, als Carmen im Sommer 2015 wie jedes Jahr mit dem Fahrrad den Bodensee umrundete. Damals habe sie zum ersten Mal ganz bewusst wahrgenommen, wie überwältigend vielfältig und schön die Naturlandschaft rund um den See sei, speziell im Rheindelta. „Ich muss zugeben, als Bregenzerwälderin habe ich diesen Schatz am Bodensee gar nicht richtig gekannt, der buchstäblich vor unserer Hoteltür verborgen liegt.“

„Wir wollten unsere Gäste mit etwas Neuem überraschen.“

Zu der Zeit, fünf Jahre nach der Hoteleröffnung, habe sie gerade darüber gebrütet, wie sie ihre Gäste mit etwas Neuem überraschen und ihnen einen Mehrwert bieten könnte. Was lag da näher, als den Gästen, und Einheimischen ebenso, diesen Schatz vor der Tür zugänglich zu machen? Sie setzte sich intensiv mit dem Thema auseinander, lotete Möglichkeiten und Grenzen aus, holte sich Rat bei Experten und erfuhr, dass das Rheindelta DER europäische Hotspot für Zugvögel ist. „Wir hatten großartige Unterstützung von renommierten Ornithologen wie Leander Khil oder Hubert Salzgeber von BirdLife Vorarlberg, der auch die Routen zu den Beobachtungsplätzen ausgearbeitet hat, unterstützt von zwei Schülerinnen der Hotelfachschule Bezau.“ Etwa anderthalb Jahre später schlüpfte die Idee aus dem Ei, und zwar in Form der fabelhaften „BirdsClub App“, samt saisonal abgestimmter Hotel-Packages, in die auch lokale Partner mit eingebunden sind.  

„Diese Art des Zusammenarbeitens und Netzwerkens ist beispielhaft.“

Logisch, dass Carmens Projekt nicht lange unentdeckt blieb und die Aufmerksamkeit von professionellen Naturschützern weckte. Ganz nebenbei heimste sie auch noch den „Hauptpreis Vorarlberger Tourismusinnovation 2017“ ein. Ruth Swoboda von der inatura Dornbirn zeigt sich begeistert ob so viel Professionalität und Gespür. „Für uns ist das auf zwei Ebenen besonders spannend: Erstens, wenn der Tourismus das Naturwissen als Bereicherung erfährt und es als Produkt erkennt. Und zweitens, wenn eine Privatperson – wie Carmen – diese Idee auf qualitativ hochwertigste Art und Weise umsetzt.“ Mittlerweile arbeiten die beiden eng zusammen. Die inatura bietet im Auftrag des Landes Vorarlberg seit einigen Jahren eine Fachausbildung zum Naturführer für naturinteressierte VorarlbergerInnen an. Das erste Modul findet immer im Naturschutzgebiet Rheindelta und in den Seminarräumen des Hotels am See statt. „Genau diese Art des Zusammenarbeitens und Netzwerkens ist beispielhaft und birgt enormes Potenzial für den Tourismus.“

 

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