Menschen und Geschichten

Stadtleben auf dem Land

Pedalpiraten, Lustenau

Das Radwegenetz für Ausflugsziele ist in der Region Bodensee-Vorarlberg gerade in den letzten Jahren um wesentliche Strecken erweitert worden. Sie führen an die schönsten Plätze, vor allem an die zahlreichen, schützenswerten Naturschauspiele, die den Autos verwehrt sind. Dass aber auch Fahrradkuriere in einer relativ weitläufigen, ländlichen Gegend einsetzbar sind, beweist ein innovatives Ein-Mann-Unternehmen aus Lustenau.

Pedalpirat, Ralph Hollenstein © Petra Rainer
Pedalpirat, Ralph Hollenstein © Petra Rainer
Pedalpirat, Ralph Hollenstein © Petra Rainer

Ralph Hollenstein war immer schon ein passionierter Fahrradfahrer – 2014 erfüllte er sich seinen Traum von einer Co2-freundlichen Kurierdienst-Firma, hängte seinen Job in einer international tätigen Spedition an den Nagel und begann, mit seinem Lastenrad innerhalb von Lustenau Pakete zuzustellen. In nur einem Jahr eroberte er ein weitläufiges Streckennetz, viele Stammkunden und die Herzen der Lustenauer/innen. Weder Schneelagen noch Hitze sind Grund für den begeisterten Fahrradfahrer, auf ein Auto umzusteigen – fährt er doch den meisten im täglichen Stadtverkehr elegant davon und ist schneller an seinem Ziel. Bis zu 250 Kilo trägt sein größtes Gefährt, 1,6 Kubikmeter Ladevolumen kann er damit übernehmen. Seine Dienste reichen derzeit innerhalb von Lustenau und Umgebung bis nach Höchst und über die Grenze in die Schweiz, der Radius erweitert sich aber stetig. Das mittelfristige Ziel ist das gesamte Rheintal, dann allerdings mit dem Einsatz eines Elektro-Autos, das an die Standorte in der Region liefern soll, von wo die lokalen Fahrradkuriere ausschwärmen. Schon im kommenden Jahr plant er ein bis zwei Teilzeitkräfte einzustellen, und sollte eine geplante Kooperation mit einer Wiener Firma zustande kommen, dann wächst das kleine Unternehmen mit einem Schlag in ein großes Streckennetz.

 

In Lustenau können seit Anfang 2016 mobil eingeschränkte Personen gratis in der Fahrrad-Rikscha mitfahren.

Er ist auch Mitbegründer der Aktion „Radeln ohne Alter“. In Lustenau können seit 2016 mobil eingeschränkte Personen gratis in der Fahrrad-Rikscha mitfahren. Betrieben wird das Projekt von ehrenamtlich tätigen Fahrradfahrer/innen – so auch Ralph Hollenstein, der kürzlich eine 100-jährige Dame zu einem zweistündigen Rikscha-Ausflug an den Alten Rhein radelte. Es ist eines der erwähnten Naturhighlights, das mit dem Auto nicht erreichbar ist. Seit 40 Jahren war sie nicht mehr dort, weil das Gelände zu uneben ist.

Der sauberen Mobilität sind, wie hiermit bewiesen ist, wenig Grenzen gesetzt. Die zuweilen steilen Hänge der Region lassen sich in Zukunft ebenso überwinden wie der Glaube an die Unvermeidlichkeit des Co2 Ausstoßes. Man muss nur an seine Vision glauben und dann: Radeln.

www.pedalpiraten.at

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