Menschen und Geschichten

Selbstgebrannte Kunst

Bei den Vernissagen zu Roland Adlassniggs Ausstellungen teilt sich das Publikum recht schnell auf – die einen trinken Wasser, die anderen Schnaps, etwas anderes gibt es nicht. Die einen gehen eher bald nach Hause, die anderen bleiben … oft bis in die Morgenstunden. Der Bildhauer setzt damit konsequent fort, was ihn selbst begeistert: Schnapsbrennen und Kunst verbinden sich in seinem Leben zu einer Einheit.

Roland Adlassnig © Petra Rainer
Roland Adlassnig © Petra Rainer
© Petra Rainer

Im Herbst ist Erntezeit. Wenn das Obst von der Wiese aufgeklaubt und in den blauen Tonnen eingemaischt ist, bestellt Roland Adlassnigg den Brennwagen der Rankweiler Brennereigenossenschaft. Der kommt dann mit Hilfe eines befreundeten Traktorfahrers auf die Hofeinfahrt seines Hauses, Holzstapel, Eimer und Flaschen werden bereitgestellt, die warmen Jacken und Schuhe aus dem Schrank geholt. Schnapsbrennen ist ein langwieriger Prozess, den man dauernd überwachen muss – Holz nachlegen, Eimer wechseln, wenn der Rohbrand fertig ist, die Maische entsorgen, auswaschen, neue Maische einfüllen und so weiter. Schon als Kind gehörte das Schnapsbrennen zum Herbst, Roland Adlassniggs Vater und auch sein Großonkel haben dasselbe Ritual zelebriert, das heute sein kleiner Sohn wie selbstverständlich miterlebt, auch wenn er sich dafür noch nicht besonders interessiert. Die Brennereigenossenschaft von Rankweil mit 160 aktiven Mitgliedern besitzt zwei solche Brenn-Wagen, die jedes Mitglied für eine bestimmte Zeit reservieren und damit den eigenen Schnaps brennen kann.

Schnaps ist nichts Schlechtes – es kommt nur darauf an, wer ihn trinkt. Und wie viel.
Roland Adlassnig

 

Nach dem Rohbrand läuft der zweite Brand, der Feinbrand in große, bauchige Flaschen, die zunächst gelagert werden. Dieser wird dann später verschnitten und in die Schnapsflaschen abgefüllt. Von den Mythen rund um die Geheimnisse des Brennens hält Roland Adlassnigg nicht viel – gehen einige Schnapsbrenner bei Vollmond zu geheim gehaltenen Quellen, um ganz besonderes Wasser für den Brand zu schöpfen, so nimmt er das einfache Rankler Leitungswasser, weil: „Ich habe noch nie einen Unterschied geschmeckt, und das Wasser bei uns ist einfach gut. Bei mir sind alle Rohstoffe aus Rankweil, das Obst, das Wasser und sogar das Holz.“

Auch andere Mythen halten sich über Generationen, wie etwa beigemengter Zucker oder ähnliche Versuche, die anderen Brenner zu verunsichern. Roland experimentiert lieber mit ungewöhnlichen Früchten oder Rohstoffen, wie etwa dem Kaffee-Schnaps. Zwei seiner Lieblingsgetränke zusammen destilliert – hat es funktioniert? „Ich finde den Kaffeeschnaps wunderbar – und auch angesetzte Schnäpse bieten viele Geschmacksrichtungen, etwa mein Salbeischnaps für Erkältungen. Wenn ich im Urlaub einen Baum voller Qumquat finde und der Bauer mir einen Eimer voll schenkt, dann gibt es in der nächsten Saison eben Qumquat-Schnaps. Halt nur einmalig.“

 

 

 

Der selbstgebrannte Schnaps spielt nicht nur in der Bewirtung der Ausstellungsgäste eine Rolle, sondern durchaus auch als Kunstwerk – so wandert beispielsweise eine mobile Schnapsbrennerei als Kunstobjekt und auch ein Altar aus der Hand von Adlassnigg durch Galerien, bei dem die Besucher/innen beten und danach als Absolution einen Schnaps trinken dürfen. Ein künstlerischer Zugang zu einem Nationalgetränk, das durch diverse Preise und neuem Lifestyle-Image inzwischen durchaus auf einem unsichtbaren Altar thront.

„Die Sucht ist die Sehnsucht nach Gott, und sie muss unweigerlich zu Ihm führen. Wir wissen es, sobald wir aus dem Dunstkreis des Denkens treten und uns der kollektiven Kontrolle entziehen. So viele Anhänger können sich nicht irren, sie stehen vor der Pforte Gottes, ihr Ticket ist jede auf dem Index stehende Frucht und jedes Destillat aus den Giftküchen der Unterwelt. Aber auch die legalen Substanzen schaffen in ihrer absoluten Verdichtung einen Altar,“ sagt Roland Adlassnigg, und so ist es auf seiner homepage zu dieser Arbeit nachzulesen. Manchmal sind es Kooperationen, bei denen der Schnaps eine Rolle spielt, zum Beispiel mit dem Künstlerkollegen Paul Renner, der dieses wunderbare Getränk für seine Kunst-Events ebenfalls zu schätzen weiß.

Roland Adlassnig © Petra Rainer
© Petra Rainer
© Petra Rainer

Roland brennt jedes Jahr, manchmal viel, manchmal weniger, was er brennt braucht er selbst für seine Ausstellungen oder Feiern. Zu kaufen gibt es sie nicht, außer in einem Lokal in Wien, das den Adlassnigg-Schnaps exklusiv im Sortiment hat. Aber wer die edlen Tropfen einmal probieren möchte – auf www.roland-adlassnigg.com finden sich die nächsten Ausstellungstermine.

Und wer überhaupt in die Welt dieser erlesenen Destillate eintauchen möchte – in der Region laden viele Brennereien zur Verkostung ihrer hauseigenen Produkte ein, eine beträchtliche Anzahl davon ist preisgekrönt. Eine besondere Art des Geschmackserlebnisses, das sich bestens als Mitbringsel eignet.

www.roland-adlassnigg.com

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