#zäm: Glamping in Vorarlberg

Wie im Himmel

Als ehemalige Skirennläuferin ist Michelle Morik (Alpencamping Nenzing) daran gewöhnt, sich durchzubeißen. Leichter geht´s freilich, wenn man in verlässliche, regionale Partnerschaften eingebettet ist. So wie das 5-Sterne-Campingresort, das sie gemeinsam mit ihren Eltern auf der Nenzinger Garfrenga betreibt.

Michelle Morik, Alpencamping Nenzing und Frastanzner-Mohrenbräu © Markus Gmeiner, Bodensee-Vorarlberg Tourismus

„Ein bisschen traurig sind wir schon, dass wir erst Ende Mai öffnen dürfen, obwohl unser Campingplatz der ideale Ort wäre, um zurückgezogen Urlaub zu machen. Unsere Standplätze verfügen über private Duschen und WCs, so könnten die Gäste komplett für sich sein“, erklärt Michelle. Und auch die neu gebauten Himmelchalets, die in die hügelige Märchenlandschaft ragen, würden absolute Privatsphäre bieten. Die sind seit dem Shutdown jedoch genauso verwaist wie der Außenpool auf der Sonnenterrasse und das luxuriöse Spa. „Aber wir schauen jetzt nach vorne.“ Als ehemalige Skirennläuferin ist sie daran gewöhnt, sich durchzubeißen. Zahlreiche Verletzungen seien eine Schule fürs Leben gewesen. „So hart es klingen mag: Ich möchte keinen dieser Rückschläge missen“, weil sie dadurch gelernt habe, nie aufzugeben und immer zu kämpfen, bis es wieder aufwärts geht. So wie jetzt.

„In der Krise hebt ma zäm.“

Das Buchungstelefon klingle Tag und Nacht, seit die Regierung angekündigt hat, dass die Grenzbalken wieder hochgingen. Was sie besonders freut: Auch viele Einheimische wollen ihren heurigen Sommerurlaub hier im 5-Sterne-Camping am Tor zum Nenzinger Himmel verbringen. „Glamping“ – also glamouröses Camping: Jeder, der zum ersten Mal herauffährt auf die Garfrenga, würde sofort glauben, dass dieser Begriff hier ersonnen wurde. Dass der Betrieb trotz allem einigermaßen gut durch die Krise gekommen sei, sei nicht zuletzt den langjährigen, verlässlichen Partnerschaften zu verdanken, in die der Familienbetrieb eingebettet ist. Einer dieser Partner ist die Brauerei Frastanz, und das schon seit den Anfängen in den frühen 70er-Jahren. „In der Krise hebt ma zäm“, bringt es Kurt Michelini, Geschäftsführer der genossenschaftlich organisierten Brauerei, auf den Punkt. „Bei Frastanzer waren die Verluste zum Glück nicht ganz so hoch wie anfangs befürchtet. Die getrunkene Biermenge scheint eine Konstante zu sein.“ Statt im Gasthaus habe man das Bier eben daheim getrunken.

Regionale Kreisläufe stärken

Aber eines habe die Krise gezeigt: „Wir haben gesehen, wie schnell die Grenzen zugehen, wie wichtig regionale Strukturen für die Versorgung sind.“ Genau aus diesem Grund habe Frastanzer mit der Dornbirner Mohrenbräu schon vor zwei Jahren eine Kooperation gestartet. „Ma künnt säga, mir hons gschmeckt.“ Gemeinsam habe man die neue Limonadenmarke „VO ÜS“ entwickelt, als regionale Alternative zu den Produkten von Großkonzernen. Denen müsse man die Stirn bieten, indem man regionale Kreisläufe stärke und in den Regionen noch viel mehr zusammenarbeite. „Mit der Familie Morik verbindet uns eine sehr innige Partnerschaft, aber eine gelebte und nicht nur eine auf dem Papier.“ So sei es selbstverständlich gewesen, das im März gelieferte Bier kostenlos zurückzunehmen und jetzt wieder frische Ware nachzufüllen.

„Das ist sozusagen eine Win-Win-Win-Situation.“

Für Tourismusdestinationen wie ihr Campingresort, so Michelle, seien regional verankerte Partnerschaften essenziell. „Durch unsere Partnerschaften können wir unseren Gästen echte und authentische Erlebnisse bieten.“ Wenn sie beispielsweise im Himmelchalet nächtigen, das der einheimische Tischler komplett von Hand gefertigt hat oder wenn Gäste die Gourmetküche mit regionalen Zutaten im Restaurant „Himmelwärts“ genießen. Den Schnapsbrenner im Dorf besuchen oder einen kurzweiligen Ausflug zur Frastanzer Brauerei machen. „Das ist sozusagen eine Win-Win-Win-Situation – für unsere lokalen Anbieter, für die Gäste und für uns. Regionalität ist ein Pfeiler unserer Philosophie.“

„Ich habe lernen dürfen, dass ich viel von anderen Ansichten mitnehmen kann.“

Der zweite Pfeiler sei Innovation. „Was wendr jetzt scho wieder baua?“ sei die übliche Reaktion von Papa Sepp, wenn sie gemeinsam mit Mama Gertie, einer gebürtigen Holländerin, wieder mit neuen Plänen daherkomme. Gerade seien die neuen Familienchalets fertig geworden. Logisch, dass sich auch in Michelles Abschlussarbeit für ihr Masterstudium alles um die Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens dreht. Nach ihrem Bachelorstudium in Tourismusmanagement in Wien pendelt Michelle, die auch diplomierte Sommelière ist, immer wieder in die Bundeshauptstadt. Im Juni sollte das Studium abgeschlossen sein – dank eiserner Disziplin, die sie beim Spitzensport gelernt habe, in Rekordzeit. „Als Sportlerin war ich Einzelkämpferin. Auf der Uni, das muss ich ganz ehrlich zugeben, habe ich mir am Anfang extrem schwergetan, wenn nicht alles in meinem Tempo lief und ich mich in Gruppenarbeiten anderen anpassen musste.“ Bis sie aber irgendwann gemerkt habe, dass es mit Teamwork eigentlich viel leichter gehe. „Ich habe lernen dürfen, dass ich viel von anderen Ansichten mitnehmen kann. Jeder in einem Team hat Stärken und Schwächen. Gemeinsam bringt man einfach viel mehr weiter.“

 

 

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