#zäm: Familybusiness in Vorarlberg

Innovation als Tradition

Sie ist eine Bregenzer Institution, die Gastgeberfamilie Kinz. Bekannt dafür, traditionelle Werte hoch zu halten und den Blick dennoch immer nach vorne zu richten. Mit den Geschwistern Verena Urban-Kinz und Hubert Kinz junior hat die nächste Generation übernommen. Gemeinsam mit ihrer Mutter Andrea führen sie das Familienunternehmen auch in stürmischen Zeiten in die Zukunft.

Hotel Weisses Kreuz, Bregenz © matakstudios
Hubert Kinz jun., Hotel Weisses Kreuz, Bregenz © matakstudios
Verena Urban-Kinz, Hotel Weisses Kreuz, Bregenz © matakstudios

Erst vor ein paar Wochen war das jüngste Projekt, die nostalgische Bierbar in der Bregenzer Kirchstraße, eingeweiht worden und musste schon wieder die Pforten schließen, wie alle anderen auch. Verena Urban-Kinz nimmt‘s gelassen, trotz großer Herausforderungen. „Unsere Betriebe gibt es zum Teil schon seit vielen hundert Jahren, es funktioniert immer irgendwie.“ Man nehme die Dinge so wie sie kommen und mache das Beste daraus. „Ein Teil unserer Mitarbeiter ist nachhause gefahren und kann nicht zurückkommen, weil die Grenzen zu sind oder weil sie der Risikogruppe angehören. Also haben wir uns umorganisiert. Das Hotel soll autarker sein zu den Restaurants, damit nicht beides ausfällt im Falle einer Infektion.“ So könne man die Teams besser clustern, Synergien nutzen und auch kostengünstiger fahren.

„Nicht nur die landschaftliche, auch die soziale Umgebung im Tourismus ist hier schön.“

Mit den anderen Hoteliers in Bregenz sei man in guter Verbindung. „Unser Land und unsere Stadt sind nicht nur landschaftlich wunderschön, auch die soziale Umgebung im Tourismus ist hier schön. Wir reden viel miteinander und pflegen einen wertschätzenden Austausch, nicht erst seit der Krise.“ Solidarität habe ihre Familie immer schon gelebt, „das war schon bei meiner Mama so und auch bei meinem Großvater. Egal, ob in regionalen oder nationalen Partnerschaften.“ Ihre Familie versuche immer, das Beste auch aus schwierigen Situationen zu machen, Herausforderungen anzunehmen und nach vorne zu blicken.

 

„Großartige Gelegenheiten muss man beim Schopf packen.“

So sei es auch bei ihrem jüngsten Projekt gewesen. Großartige Gelegenheiten müsse man beim Schopf packen, bringen Verena und Hubert den Unternehmergeist, der ihre Familie seit Generationen antreibt, auf den Punkt. Als nostalgisches Schmuckstück bereichert die neue Bierbar die Bregenzer Kirchstraße, ergänzend zum Goldenen Hirschen. Familie Kinz betreibt das Gasthaus neben dem Hotel Weisses Kreuz samt Stadtgasthaus und Kreuzbar, dem Café Restaurant Leutbühel sowie der Weinstube Kinz. „Man muss schauen, dass man gut bleibt. Und gut bleiben heißt meistens nicht Stillstand, sondern sich weiterzuentwickeln und auch ein Risiko einzugehen.“ Nach ihren Studienjahren in Wien seien sie beide gerne wieder an den Bodensee zurückgekehrt, um die Familientradition weiterzuführen. Treibende Kraft hinter der neuen Bierbar sei Hubert gewesen, erzählt Verena, mit seiner Leidenschaft für Bier und als ausgebildeter Biersommelier.

„Wir kennen uns mit allen Stärken und Schwächen und können uns blind aufeinander verlassen.“

Die Geschwister verbindet seit Kindheitstagen ein enges Band, deshalb funktioniere auch die Zusammenarbeit so vertrauensvoll. „Verenas Stärke ist der direkte Kontakt zu den Menschen. Sie hat für jeden ein offenes Ohr.“ Hubert bewundert die Belastbarkeit seiner Schwester und „wie sie stressige Situationen immer wieder auf ein entspanntes Niveau herunterbringt.“ Oft nicht einfach neben ihren Aufgaben als Mama von zwei Buben. Man kenne sich mit allen Stärken und Schwächen, könne sich blind auf den anderen verlassen. Umgekehrt schätzt Verena, dass ihr Bruder Dinge gut vom Emotionalen abkoppeln könne, im Gegensatz zu ihr. „Er kann Dinge sehr sachlich analysieren und hat die Fähigkeit, unglaublich viele Zahlen im Kopf zu sortieren und zu behalten.“ Dementsprechend sind auch die Zuständigkeiten aufgeteilt.

„Man ist immer ein Team.“

Während Verena an der Hotelrezeption direkt am Gast und bei den Mitarbeitern ist, kümmert sich ihr Bruder um Finanzen, Planung und Instandhaltung. Alles, was er dafür brauche, nämlich Laptop und Mobiltelefon, sei in seinem Rucksack, seit etwa zwei Jahren sein „Büro“. Das ursprüngliche habe aus Platzgründen Zimmern für Mitarbeiter weichen müssen. Eine anfangs gewöhnungsbedürftige pragmatische Lösung, heute wolle er diese neue, mobile Art des Arbeitens jedoch nicht mehr missen. Ebenso pragmatisch sieht Verena die Frage, wer denn jetzt „Chef“ sei und das letzte Wort habe: „Ich finde den Begriff ‚Chef‘ nicht passend, weil er die anderen degradiert.“ Natürlich brauche es jemanden, der entscheide und verantwortlich sei, aber „jeder hat seine Kompetenzen, jeder hat seine Stärken. Wir haben das Glück, dass wir ein Ganzjahresbetrieb sind und viele langjährige Mitarbeiter haben, denen wir auch Verantwortung übertragen können. Man ist immer ein Team. In einem Familienbetrieb und im Gastgewerbe ganz besonders.“

 

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