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Herbert Golser | Materialgeflüster - Eröffnung

Im Spannungsfeld von Gewachsenem und Konstruiertem arbeitet Herbert Golser mit vorwiegend massiven Materialien aus der Natur wie Holz, Stein, aber auch Metall. Der Künstler greift im Entstehungsprozess seiner Arbeiten nicht auf traditionelle Hilfsmittel wie Meißel oder Schnitzeisen zurück, sondern verwendet eigens von ihm adaptierte Maschinen. Präzise schneidet Golser das Holz in extradünne Streifen, die sich wie Palmwedel der Schwerkraft beugen, fräst aus Marmor meterhohe Säulen, die — fein wie ein Blatt Papier — das Unmögliche in Frage stellen.


Für die Ausstellung im Bildraum Bodensee lotet Herbert Golser abermals die Grenzen seiner Werkstoffe aus und bringt sie in die prekärsten Verhältnisse. Sein Schaffen kreist stets um die Dringlichkeit und Körperlichkeit des Materials. Dem Material wird dabei nicht eine Idee aufgedrängt, diese entsteht vielmehr aus dem Dialog, einem langsamen Modus der Formfindung in Wechselwirkung von Künstler, Technik und Natur. So entwickeln sich Skulpturen jenseits der polierten Oberfläche. Fragile, biomorphe und lebendige Objekte, die, etwa im Falle seiner zahlreichen Holzskulpturen, „weiter arbeiten“ und sich im Laufe der Zeit oftmals unvorhersehbar verändern.


Das Material fordert sein Recht ein und Golser lässt es gewähren. So kann sich etwa die Trocknung des Holzes bei größeren Skulpturen über Jahre ziehen — ein Prozess des geplanten Zufalls, wobei sich der Künstler gerne vom Ergebnis überraschen lässt. Das Resultat sind autonome Gebilde, welche die Sinnlichkeit und natürliche Ästhetik des Werkstoffs mit technoiden Momenten und futuristisch anmutenden Elementen verbinden.