Menschen und Geschichten

Camping in der Region
hat viele Gesichter

Einfacher leben, mit der Natur verbunden, das Benötigte zu reduzieren und den nächtlichen Geräuschen zu lauschen – das verbinden die meisten Menschen mit Camping. Mit Luxus hatte es bisher wenig zu tun, aber leise etabliert sich eine vollkommen neue Interpretation des Wortes „campen“ – mitten in den heimischen Bergen.

Camping-Plätze in der Region bieten für Familien, für Wanderer und sogar für Skifahrer eine beliebte Alternative zu den Herbergen und Hotels. Wenige Schritte vom Bregenzer Seeufer entfernt, verbindet etwa der Eco-Campingplatz Mexico Umweltengagement mit der großartigen Kulisse des Bodensees. Nicht weit entfernt von der historischen Stadt Feldkirch versteckt sich ein Waldcamping als attraktive Location und Ausgangspunkt für Touren, so wie auch im Waldcamping in der Enz, der Nahe Dornbirn und am Fuße des Karren liegt. Die Vielfalt an Campingplätzen mit Alpen-Panorama oder See-Erlebnis in der Region ist sehr groß, die begeisterten Gäste bezeugen deren Qualität durch Treue und Auslastung. 

 

Camping Alpencamping Nenzing © Petra Rainer - Bodensee-Vorarlberg Tourismus
Camping Alpencamping Nenzing
Camping Alpencamping Nenzing © Petra Rainer, Bodensee-Vorarlberg Tourismus

Der Alpencamping Nenzing ging von Anfang an andere Wege. Als 1974 die ersten Gäste ihre Zelte auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofes aufschlugen, dauerte es nicht lange bis zur begehrten ADAC Auszeichnung als „best camp“-Platz. Schon 1978 erhielt die Anlage 25 von 25 möglichen Sternen – aus gutem Grund. Seither hat sich der Familienbetrieb kontinuierlich in einen exklusiven und preisgekrönten Treffpunkt für Camper aus aller Welt entwickelt, im Sommer 2016 trafen die ersten chinesischen Gäste ein. Russen, Japaner, Isländer, Schweden und viele andere Nationalitäten kommen seit Jahren regelmäßig. Auf den terrassenförmig angeordneten Stellplätzen stehen vorwiegend Wohnmobile, deren Anschaffungspreise denen einer kleinen Wohnung entsprechen. Ihre Fahrer winken sich denn auch an der schmalen Bergstraße über Nenzing erleichtert zu, wenn sie oben ankommen.

„Es zeichnet sich aber ein neuer Trend ab, junge Leute kommen mit kleinen Bussen, die viel beweglicher sind. Diese Leute sind sehr zufrieden und unkompliziert,“ erzählt Sepp Morik, der den Betrieb seit rund 40 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Gertie betreibt. Es sind anstrengende Arbeitstage rund ums Jahr, die Saison endet eigentlich nie, und Erweiterungspläne gibt es eine ganze Reihe. Von Mai bis November geht es rund, und schon Anfang Dezember beginnt der Wintertourismus – dann bringt ein Shuttle-Bus die Skifahrer/innen zum Skilift ins Brandnertal.

Jeder der 162 Stellplätze erlaubt einen freien Blick in die Bergwelt rund um den Arlberg und in den Nenzinger Himmel. Hier liegt eines der Geheimnisse des Platzes­ – die Wanderwege, die absolute Ruhe, der Sternen funkelnde Himmel und das Camping-Feeling verbinden sich mit dem Luxus eines exklusiven Resorts mit allen Annehmlichkeiten.

Wer möchte, kann ein eigenes Badezimmer nur für sich alleine mieten. Blitzblank ist jede Fließe, traumhafte Pools innen wie außen, die Saunawelt und der Massagebereich können es mit jedem teuren Hotel aufnehmen. Das Sonnendeck thront über dem Wellness-Bereich, die Vögel zwitschern, der Restaurantbetrieb mit Sonnenterrasse läuft rund um die Uhr. Der hausgemachte Kuchen, den eine junge Bäuerin liefert, ist sensationell. Obwohl ein Urlaub auf dem Nenzinger Alpencamping nicht unbedingt zu den Billigvarianten gehört, hätte die Familie Morik etwa 150 Stellplätze mehr gebraucht, um alle Anfragen des Rekord-Sommers 2016 aufnehmen zu können.

Der kleine exklusive Platz kennt keine Wartezeiten vor den sanitären Anlagen, der Pool und die Sonnenterrasse sind nicht überlaufen, fröhliche Kinder verschwinden mit den Wanderführern auf einem Traktor Richtung Flussbett und kommen mit Fachwissen zum Staumauerbau wieder zurück – hungrig und begeistert. Oder sie steigen auf Quads und testen außerhalb der Hörweite ihrer Eltern und anderer Gäste das Gelände, gehen mit zum Bauernhof Eier suchen, Hennen füttern, Pferde reiten, Kühe melken, feiern Indianerfeste, machen Schatzsuche und Laternenwanderungen … eben all die Dinge, die (Stadt-)Kinderherzen höher schlagen lassen.

Aber auch die Herzen der erwachsenen Gäste werden ab Sommer 2017 noch höher schlagen, wenn die zwanzig neuen Lodges eröffnet werden. Die Nachfrage ist groß, der Platz begrenzt, die Pläne daher schlicht genial. In den angrenzenden Hügel hineingebaut, werden sie ebenfalls terrassenförmig über dem Gelände aufgefächert, jede Lodge mit dem freien Blick in die Berge. Sie sind architektonisch so gestaltet, dass das Camping-Gefühl erhalten bleibt, trotz festem Dach, Panoramablick, eigener Terrasse und teilweise mit privaten Pools. Für dieses Projekt haben Sepp und Gertie Morik gerade den Grund gekauft, die Pläne liegen vor, das Holz für die Lodges stammt aus den heimischen Wäldern, alles wird regional erzeugt und eigens entwickelt.

„Michelle, unsere Tochter, wird den Betrieb in zwei Jahren übernehmen. Seit sie nach zwei Verletzungen ihre Skikarriere im ÖSV beendet hat, war das für sie klar“, sagt Gertie Morik.

Derzeit studiert die junge Frau Tourismus-Management, nach ihrem Studium wird sie einen Vorzeigebetrieb übernehmen können, der in internationalen Camping-Plattformen als Juwel im Alpenraum gehandelt wird.

Wer gerne in der Natur ist und es genießt, einmal anders zu leben, der kommt am Thema Camping nicht vorbei.  Der Alpencamping-Platz in Nenzing ist allerdings etwas, was man auch als typische/r Hotelbewohner/in in Erwägung ziehen sollte.